BZT034: (Selbst-)Bestimmung

Finger weg von Whats App, das hat zumindest Felix getan und erklärt warum. Ausserdem geht es um Diigo, Pokemon GO, der aktuelle Stand zum Educamp und wie immer zum Schluss ein paar App-Empfehlungen.

Die Sommerpause ist um, wir sind wieder zurück. Wer den Podcast bei sich im Blog einbinden will, kann das jetzt zumindest mit einem kleinen Trick tun:

Unter fyyd.de findet ihr unseren Podcast. Darunter sind alle Episoden aufgelistet. Unter jeder Episode gibt es einen Teilen-Button. In dem sich danach öffnenden Fenster könnt ihr den Embed-Code entnehmen in euer Blog kopieren.

Shownotes

Ein Gedanke zu „BZT034: (Selbst-)Bestimmung

  1. Eine Folge, die nach drei Jahren kaum gealtert ist. Die von Whatsapp ausgehende hat Felix damals schon beschrieben. Zwei Details Eurer Diskussion möchte ich hier noch einmal betonen: Der Grund, warum Ihr in Google Docs trotz der Marktmacht dieses Konzerns keine große Gefahr seht, liegt darin, dass ein Cloudspeicher nicht primär ein Kommunikationsmittel ist, oder anders gesagt: Ich kann einen Cloudspeicher auch alleine nutzen. Kommunikation hingegen bedeutet, dass mindestens zwei Personen beteiligt sind, die sich folglich auf ein Medium einigen müssen. Google Docs wird also dann zur Gefahr, wenn Teams, die gemeinsam an einem Dokumentensatz arbeiten, massenhaft anfangen, alle Dateien nur noch bei Google vorzuhalten. Dann nämlich passiert das Gleiche wie bei Whatsapp: Wenn ich als Teammitarbeiterin weigere, Google Docs zu nutzen, komme ich an das Dokument, das ich (möglicherweise sogar gleichzeitig mit Anderen) bearbeiten möchte, nicht heran.

    Der Grund, warum Ihr in Twitter im Gegensatz zu Whatsapp keine Gefahr seht, sollte in meinen Augen nicht die von verschiedenen Clients ansprechbare API sein. Auch Twitter hat die Anforderungen an Clients, um die API nutzen zu können, immer mehr verschärft. Twitter und nur Twitter allein gibt also die Regeln vor, nach denen Ihr mitspielen dürft. Wenn Twitter irgendwann beschließt, dass die API künftig nur noch über ein Client-Zertifikat angesprochen werden darf, das nur an Leute ausgegeben wird, die jeden Morgen vor dem Hauptquartier die Firmenhymne singen, hat Twitter die Macht dazu. Der einzige Grund, warum Euch das nicht als Gefahr erscheint, liegt darin, dass Twitter nicht einmal im Ansatz die Marktmacht hat, das durchzusetzen. Auf der anderen Seite erleben wir immer wieder, wie Twitter an seiner Oberfläche herumschmiert, irgendwelche hässlichen Features einführt, die niemand haben will, jedes Mal alle aufschreien, diesmal habe Twitter wirklich den Bogen überspannt, worauf dann – nichts passiert. OK, ein paar Leute wechseln zu Diaspora, Friendica, C&A oder wie sie alle heißen, aber die große Migration bleibt aus. Warum? Weil alle Anderen ja bei Twitter sind. Den Unterschied zu Whatsapp sehe ich vor allem darin, dass die Leute von Twitter im Moment nicht wegkommen und zu Whatsapp unbedingt alle hinmüssen. Twitter wirkt eher wie ein Fliegenfänger, Whatsapp wie ein Schwarzes Loch.

    Der These, die Leute täten so, als telefonierten sie mit Whatsapp, was in Wirklichkeit aber anders sei, möchte ich nur eingeschränkt zustimmen. Aus Sicht der Nutzerinnen ist es ein Telefonat, weil sie den Begriff wörtlich nehmen: Sprache fernübertragen. Genau das leistet Whatsapp. Telefonieren war auch dann schon Telefonieren, als die Deutsche Bundespost die Hoheit über jedes an ihr Monopolnetz angeschlossene Gerät hatte – ähnlich wie Whatsapp Hoheit über jede Whatsapp-Clientinstallation hat. Als Verbraucherin ist es mir egal, ob meine Sprache als analoge Schwingungen über einen Klingeldraht, digital über eine DSL-Leitung, durch eine zwischen zwei Büchsen gespannte Kordel oder als IP-Pakete über einen Whatsapp-Server geht. Der Hauptunterschied zwischen einem Whatsapp-Telefonat und einem über die Deutsche Telekom geführten liegt darin, dass ich derzeit noch aus dem Whatsapp-Kosmos nicht ausbrechen kann, während die Telekom Gespräche in andere Netze weitervermittelt, aber was kümmert mich das, wenn doch ohnehin alle bei Whatsapp sind?

    Ein echter Ausweg aus der Abhängigkeit von einem zentralen Anbieter wären dezentrale Dienste wie (das faktisch tote) Diaspora, Mastodon oder OMEMO über XMPP. Die gewonnene Freiheit hat allerdings ihren Preis. Die ganzen dezentralen Instanzen müssen untereinander verschaltet werden. Größere Gruppen müssen sich auf neue gemeinsame Standards einigen. Wenn Whatsapp einen neuen Client ausrollt, ist der neue Standard nach einigen Tagen weltweit etabliert. Wenn ein neues Feature zu OMEMO hinzugefügt oder ein bestehendes geändert werden soll, wird es erst einmal monatelange Flamewars auf irgendwelchen Developer-Mailinglisten geben, bis die ersten Installationen den neuen Standard übernehmen. Im Zweifelsfall wird es Jahre dauern, bis sicch die Änderung durchgesetzt hat, weil irgendwelche Die-hard-Admins der Meinung sind, ihr liebgewonnener Steinzeitstandard sei das Allertollste überhaupt und jede Änderung daran ein Frevel. Überlegt mal, wie lange es gedauert hat, bis Umlaute und HTML-Elemente flächendeckend in Mails dargestellt wurden, und bis heute gibt es immer wieder Mails, die aus irgendeinem Grund kaputt aussehen, von den durch HTML in Mails ausgehenden Gefahren einmal ganz abgesehen.

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